Predigt vom 15.03.2020

Bleib‘ gesund – ist das der Wunsch für die kommenden Tage?

Oder eher „bleib‘ behütet“, denn egal, ob wir erkranken oder gesund bleiben, ob wir in Quarantäne müssen oder weiterhin halbwegs normal leben, ist es doch wichtig, behütet zu bleiben. Von Gott behütet, der Leib und Seele bewahrt.

„Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat“.

Vielleicht ist dies dran in diesen Tagen.

Trotz aller Problemlagen, trotz ständig neuer Nachrichten, trotz ständig neuer Empfehlungen, ja trotz meiner schweren Herzens gefassten Entscheidung, bis auf weiteres keinen Gottesdienst zu feiern, zunächst einmal dabei zu bleiben, daran zu denken, was Gott uns nicht alles Gutes tut.

Laßt mich an dieser Stelle kurz einen Gedanken einschieben:

Ich frage mich, wenn wir den Coronavirus überstanden haben, hat sich dann bei uns etwas verändert? Ich stelle mir vor:

  • Die meisten Menschen, die eine schwere Krankheit durchgemacht haben, sind nun dankbarer für das Leben als vor ihrer Krankheit. Und vielleicht werden wir auch mehr Mitgefühl mit unseren Kranken und Alten empfinden. Sie sind zurzeit am meisten durch das Virus bedroht. Wir fürchten, dass wir sie verlieren können. Und die Furcht ist ja nicht das schlimmste Gefühl. Sie sagt etwas über unsere Liebe. Wenn wir jemanden mögen, werden wir dann auch leiden. Gott mochte uns und litt deshalb den Tod am Kreuz.
  • Vielleicht feiern wir voller Dankbarkeit Gottesdienst?

Still und ruhig verläuft der Gottesdienst von Anfang bis Ende.

  • Zurzeit haben wir das Coronavirus – gerade überschlagen sich die Ereignisse und Nachrtichten. Wenn doch nichts passieren würde! Was ist das für eine phantastische Zeit, wenn wir uns damit begnügen können, die Zeitung aufzuschlagen und zu lesen.

Wir erleben ja gerade ein großes Durcheinander.

Gestern saß ich mit meinen Jungs am Frühstückstisch und wir haben darüber gesprochen, wie gut es uns trotz des Coronavirus geht:

  • Unser Gesundheitssystem funktioniert,
  • wir haben sauberes Wasser, und wir haben alle genug zum Essen.

Corona – so heißt das Wort, das uns alle so belastet und schreckt. Corona – das ist der lateinische Name für eine Krone.

Offenbar sieht das Virus unter dem Mikroskop aus wie eine Krone und hat deshalb diesen Namen. Wie gut, dass es noch andere Kronen gibt als die von diesem Krankheitserreger, der nun in aller Munde ist.

„Lobe den Herrn meine Seele… Der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.“

Vor ein paar Wochen hieß es im Fürbittengebet im Gottesdienst:

Herr, du hast diesen Virus zugelassen. Ich war sehr dankbar über diese Formulierung. Denn ich denke: Gott schickt uns nicht einen Virus, so wie ich es auch schon in den letzten Tagen gehört habe. Wer so etwas sagt, verspottet Gott. Gott schickt uns keine Krankheit, um uns zu bestrafen oder zur Besinnung zu bringen. Wer Corona zur Strafe erklärt, zieht sich aus der Verantwortung, anständig mit der Situation umzugehen, weil er die Zusammenhänge leugnet, die es ja durchaus gibt.

Gott tut uns Gutes und krönt uns nicht mit einem Virus, sondern mit Gnade und Barmherzigkeit. Und trotzdem spüren wir in diesen Tagen Angst und fühlen uns bedroht. Und ich wünsche mir, dass wir die unsere Ängste, und die Ängste der anderen anhören und ernst nehmen, auch wenn wir es anders sehen.

Auch Jesus nimmt unsere Angst und Sorge ernst. Er sagt: „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

„In der Welt habt ihr Angst.“

Ja, stimmt. Und es stimmt nicht nur in Corona-Zeiten. Es gibt ja wirklich auch vieles andere, was uns Angst machen kann.

  • Mir macht es Angst, wenn Rechtsextremismus und Fremdenhass zunehmen.
  • Mir macht es Angst, wenn wir nur an uns denken und vor lauter Corona die Menschen im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland vergessen.
  • Mir macht es Angst, wenn in Krankenhäusern Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken gestohlen werden und wenn Menschen Lebensmittel horten, als würden Sie monatelang nicht mehr einkaufen könnten.

„Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“.

Das bedeutet nicht:  Jetzt ist denen, die an Christus glauben, alles egal, lass doch die Welt untergehen. Nein – Christus und den Christen ist die Welt nicht egal. Aber der Gedanke, dass Christus die Welt überwunden hat, hilft in der Furcht.

Diese Welt mit allen ihren Ängsten und Schrecken, und ich in all meiner Angst und in meiner Verzagtheit und meiner Schuld bin nicht das Letzte und Wichtigste und Größte.

Wir haben eine Hoffnung über den Tod hinaus.

Wir leben von dieser Hoffnung und mit dieser Hoffnung, und wir gestalten unser Leben von dieser Hoffnung her. Wir leben von dem großen JA Gottes, der uns krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, mit Liebe und Vergebung und mit dem Leben.

Merkwürdig, wie die Jahreslosung, mit der viele von uns ja sehr bewusst leben, zu der Situation unserer Zeit passt: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ Ja, so können wir in diesen Tagen nur immer wieder beten und uns dann überlegen, was dieser Glaube, dieses Vertrauen für Konsequenzen für unseren Alltag hat.

Sich riesige Vorräte anlegen mit Nudeln, Konserven, Toilettenpapier und Mundschutz – das ist doch eigentlich kleingläubig. Da ist wenig Vertrauen da. Da meint ein jeder, er oder sie müsste jetzt erst mal nach sich selbst schauen.

Aber wir werden vielleicht gerade in diesen Tagen wieder lernen, einander zu vertrauen und füreinander Sorge zu tragen. Wenn in diesen Tagen Schulen, Kindergärten geschlossen werden, dann sollten wir vielleicht Vertrauen trainieren:

  • Beim Händewaschen ein Vater Unser beten (das sind 30 Sekunden, und das reicht, um richtig gewaschen zu haben)
  • Sich überlegen, wie wir für Mildenau das Beste suchen und für unseren Ort beten können. Dazu lade ich euch ein. Lasst uns beten
  • Verbinden wir uns im Gebet jeden Morgen 7.00 Uhr und 19.00 Uhr

Herr, unser Gott, wir bitten dich voll Vertrauen.

  • Für die Weltgemeinschaft, die das Corona-Virus zu gemeinsamem Handeln herausfordert. Für alle, die miteinander beraten und folgenreiche Entscheidungen treffen und für alle, die für Solidarität und Verständnis werben.
  • Für unsere Kinder und Jugendlichen, für die alten und kranken Menschen, für alle, die mit einem besonderen Risiko leben. Für alle in Quarantäne und für die vielen Familien, die ihr Leben neu regeln müssen, weil Schulen und Kitas geschlossen sind.
  • Für alle Menschen, die Angst haben. Für die, die sie begleiten und beruhigen; und für alle, die füreinander Sorge tragen.
  • Für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, die sich in der aktuellen Krise hilflos fühlen; für alle, die nach schnellen Lösungen suchen, um die Arbeitsplätze zu sichern.
  • Für alle Frauen und Männer, die um ihren Arbeitsplatz bangen.
  • Für die vielen Menschen auf der Welt, die auch noch andere Sorgen und Lebensnöte haben.
  • Für die Menschen an Europas Außengrenzen, für alle ohne Heimat und Sicherheit.
  • Für alle Kinder, die Opfer von Krieg, Gewalt und Terror werden; für die, die allein und einsam sind.
  • Für alle, mit denen niemand solidarisch ist.

Guter Gott, du ermutigst und bestärkst uns. So können wir in deinem Geist wachsen. Dafür danken wir dir heute und alle Tage unseres Lebens.

Amen

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