Predigt Ostern

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden

… kennt ihr die Tradition des Osterlachens?
An Ostern hat Jesus den Tod besiegt. Und deswegen sollen sich alle Christen freuen: Sie sollen lachen – grade auch im Gottesdienst.“

Und so machten es sich die Pastoren und Pfarrer zur Aufgabe, in ihrer Osterpredigt die Gemeinde zum Lachen zu bringen – um jeden Preis. Meist erzählten sie einen Osterwitz oder eine lustige Geschichte.
Vielleicht diesen:
„Glauben Sie an eine Auferstehung nach dem Tode?“, fragt der Chef.“ „Ich weiß nicht“, stammelt der junge Angestellte verlegen, „warum wollen Sie das denn wissen?“ „Weil Ihr Großvater, zu dessen Beerdigung sie gestern frei bekamen, Sie am Telefon verlangt.“

Ich möchte euch heute das Osterlachen – oder zumindest das Osterschmunzeln – nicht vorenthalten.

Da waren einmal zwei alte Freunde, Jakob und Samuel. Sie trafen sich regelmäßig um sich über ihre Geschäfte auszutauschen.
Eines Tages hatte Samuel bei ihrem Treffen eine kleine Tüte dabei. „Was ist denn da drin?“, fragte Jakob neugierig.
„Ach, nur ein Stein“, gab Samuel zur Antwort. „Ein Stein?“ „Ja, Jakob, einfach nur ein Stein.“
„Aber Samuel, was willst du denn mit einem Stein?“ Jakob ließ nicht locker. „Och, nichts Bestimmtes“, sagte Samuel, „ich hab ihn vorher beim Steinmetz gesehen. Und da hab ich gedacht: Vielleicht brauch ich diesen Stein ja irgendwann mal. Immerhin ist er sehr schön und glatt. Und da hab ich ihn eben gekauft.“ „Wie? Du hast für diesen Stein auch noch Geld ausgegeben?
Wie viel?“ „Och, nicht viel. Ich hab dem Steinmetz fünf Euro dafür gegeben.“ „Fünf Euro? Für einen Stein?“
„Ja. Wie gesagt, er hat mir einfach gefallen. Weil er so schön glatt ist.“

Zu Hause angekommen war Jakob völlig aufgewühlt. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Wenn sein bester Freund Samuel (der zudem noch ein hervorragender Geschäftsmann ist) ganze fünf Euro für einen Stein ausgibt – dann muss da irgendwas dran sein an diesem Stein. Irgendwas muss an diesem Stein besonders sein. Vielleicht ist er total wertvoll – und Samuel hat ihn für schlappe fünf Euro gekauft. Dieser Schlawiner.

Die Sache mit dem Stein ließ Jakob keine Ruhe. Tag und Nacht musste er an Samuels Stein denken.
Bei ihrem nächsten Treffen fragte er Samuel betont unauffällig: „Du, Samuel, erinnerst du dich noch an den Stein, den du bei unserem letzten Treffen dabei hattest?“
„Stein? Ach ja, der Stein. Warum fragst du?“
„Naja, ich würde dir diesen Stein gerne abkaufen.“ „Abkaufen? Aber wieso denn das? Warum um alles in der Welt brauchst du diesen Stein?“

„Och, man weiß ja nie“, entgegnete Jakob, „immerhin ist er so schön glatt…“
„Ja schon“, sagte Samuel, „aber ich hab schließlich fünf Euro für ihn bezahlt.
„Das macht nichts“, sagte Jakob schnell, „ich würde dir auch 10 Euro dafür geben“.
„Was? 10 Euro? Für einen ganz normalen Stein?“ „Ja.“
Und so wechselte der Stein seinen Besitzer.

Aber auf dem Nachhauseweg kam Samuel ins Nachdenken. „Also, wenn mir mein Freund Jakob, der sehr scharfsinnig und außerdem sehr sparsam ist, 10 Euro für diesen Stein gibt – dann muss da irgendwas dran sein an diesem Stein – abgesehen davon, dass er schön glatt ist. Bestimmt bin ich auf ihn reingefallen und er hat mich voll übers Ohr gehauen. So ein Schlawiner.“
Kurzum. Bei nächsten Treffen der beiden kaufte sich Samuel seinen Stein wieder zurück – nach langem Diskutieren und Feilschen für schlappe 20 Euro.
Dies ging nun einige Wochen lang so. Bei jedem Treffen wechselte der Stein wieder seinen Besitzer – und jedes Mal wurde er wieder ein bisschen wertvoller.

Bis eines Tages Samuel verlegen sagte: „Jakob, ich habe den Stein nicht mehr. Ich habe ihn an einen Händler verkauft.“
„Was, du hast ihn an einen Händler verkauft?“ „Ja, das hat sich einfach so ergeben. Tut mir leid.“

„Aber Samuel, du kannst doch nicht einfach so unseren Stein verkaufen?“ „Wieso nicht? Es war doch einfach nur ein ganz normaler Stein?“ „Naja – aber dieser Stein hat uns jetzt wochenlang ernährt.“

Eine Geschichte zum Schmunzeln. Aber auch eine Geschichte zum Nachdenken. Denn ich glaube, diese Geschichte lässt sich ganz gut auf unser Leben übertragen.

Auch in unserem Leben gibt es immer wieder Steine.

Da gibt es zum Beispiel die Sorgensteine. Sie liegen uns schwer im Magen. Sie drücken uns und machen uns heftig zu schaffen. Ganz unterschiedlich können diese Sorgensteine sein: da gibt es zum Beispiel den Sorgenstein „Schulden“, oder den Sorgenstein „Krankheit“, oder den Sorgenstein „Einsamkeit“, oder den Sorgenstein „Trauer“.
All dies können Sorgensteine in unserem Leben sein, die uns das Leben schwer machen, die uns schwer auf dem Herzen liegen.
Und was würden wir dafür geben, wenn uns der ein oder andere diese Sorgensteine mit einem großen Plumps vom Herzen fallen würden? Das wäre schön.

Es gibt da aber auch noch andere Steine in unserem Leben. Die sogenannten Stolpersteine.
Immer wieder liegen sie uns im Weg und wir stolpern drüber.
• Meist dann, wenn wir grade so richtig in Fahrt sind.
• Meist dann, wenn wir überhaupt nicht damit rechnen, wenn alles glatt läuft in unserem Leben.
• Meist dann werden wir oft unsanft von einem Stolperstein gebremst und wir kommen ins Straucheln.
Ein plötzlicher Streit, eine unerwartete Nachricht, eine schockierende Neuigkeit – all dies können Stolpersteine in unserem Leben sein. Steine, die uns aus dem Gleichgewicht bringen und uns zu Fall kommen lassen.

Und dann gibt es da schließlich noch solch kantige und eckige Exemplare – die Steine des Anstoßes.
Auch die kennen wir. An diesen Steinen stoßen wir uns – und manchmal verletzen wir uns auch dabei. Sie sind uns ständig im Weg und wir ärgern uns über sie.
Steine des Anstoßes – das können zum Beispiel Probleme mit unseren Arbeitskollegen sein, oder Zweifel im Glauben. Dinge, an denen wir Anstoß nehmen, die uns ärgern und verletzen.

Sorgensteine, Stolpersteine, Steine des Anstoßes – all dies Steine, die immer wieder in unserem Leben vorkommen. Und auf die wir liebend gerne verzichten würden.

Aber: So einfach ist das leider nicht. Denn schließlich haben wir diese Steine ja nicht selbst eingesammelt – sondern sie sind einfach so in unser Leben gekommen. Und was würden wir nicht alles dafür geben, sie wieder loszubekommen

Allerdings: Es kann auch sein, dass da manchmal das Gegenteil der Fall ist. Da haben wir jahrelang mit einem schweren Sorgenstein oder mit einem Stein des Anstoßes gelebt – und wir haben uns irgendwie mit ihm abgefunden. Er ist Teil von unserem Leben geworden. Ja mehr noch: Er scheint unser ganzes Leben zu bestimmen. Es scheint sich alles nur noch um diesen einen Stein zu drehen – so wie in der Geschichte von Jakob und Samuel.

In dem Text über den ich heute mit euch nachdenken möchte, geht es auch um einen Stein
Lesen Markus 16,1-7

Die Ostergeschichte – auch eine Stein-Geschichte.
Da waren die Frauen – und sie waren total fertig. Große Sorgensteine lagen auf ihrem Herzen. Vor zwei Tagen mussten sie mit ansehen, wie Jesus sterben musste. Und damit war alles aus: All ihre Hoffnungen konnten sie nun begraben, ihr weiterer Lebensweg scheint nur noch steinig und steil.
Und jetzt wollten sie noch einmal zum Grab gehen und Jesus mit wohlriechenden Ölen einbalsamieren, um ihm so die letzte Ehre zu erweisen.

Also machten sie sich auf, sehr früh am Morgen. Aber: Unterwegs fiel ihnen ein, dass dies ja gar nicht so ohne weiteres gehen würde. Die Grabkammer war mit einem großen und schweren Stein verschlossen. Alleine konnten sie ihn auf keinen Fall wegrollen.
Wie ärgerlich aber auch. Sollte dieser große Grabstein ihre Pläne verhindern. Sollte er für sie zum Stolperstein, zum Stein des Anstoßes werden? Was sollten sie tun?
Die Frauen waren ratlos – aber sie ließen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie gingen einfach weiter. Sie ließen sich nicht beirren.

Und so kamen sie zum Grab – und sie waren umso erstaunter, als sie merkten, dass der große Stein gar nicht mehr vor dem Grab lag. Die Höhle des Todes, die todsichere Höhle der begrabenen Hoffnung steht offen. Mitten in der Höhle der Angst, der Höhle der begrabenen Hoffnung hörst du den klaren Ruf:
Hier sucht ihr das Leben vergebens!
Kehrt um, kehrt um zum Leben, zu euren von Gott geschenkten Leben.
Eure Hoffnung lebt, weil ich lebe.
Aber die Hoffnung für euer Leben findet ihr nicht hier im Grab der Erinnerung. Ihr findet sie nicht hier in der Höhle eurer Angst und nicht in der Gruft eurer Resignation.
Das ist die Botschaft von Ostern.
Der Stein ist weg – Jesus ist auferstanden, er lebt.

Was für eine überwältigende Botschaft für die Frauen am Grab: Der Stein ist weg, das Grab ist leer, Jesus lebt. Damit waren auf einen Schlag auch alle anderen Steine aus ihrem Leben weg. Welch ein großer Sorgenstein muss den Frauen da von ihrem Herzen gefallen sein. Jesus lebt, und damit auch all ihre Hoffnung und Zuversicht.

Der Stein ist weg. Jesus ist auferstanden – er lebt.
Was für eine überwältigende Botschaft – auch für uns heute: Jesus lebt – und er will all unsere Sorgensteine aus unserem Leben wegnehmen. Er will alles, was uns belastet und bedrückt, einfach von unserer Seele wegrollen.
Und er will die Stolpersteine von unserem Lebensweg beseitigen. Er will, dass wir ohne zu Straucheln auf unserem Lebensweg gehen können.
Und er will die Steine des Anstoßes wegräumen.
Er will uns seinen himmlischen Frieden schenken.

All diese Steine, die uns belasten und die uns das Leben so schwer machen, dürfen wir einfach zu Jesus bringen. Er rollt sie weg. Das ist die Botschaft von Ostern.
Die Steine sind weg.

Allerdings: Das ist nur der eine Teil der Osterbotschaft.
Der zweite Teil der Osterbotschaft ist: Jesus will in unserem Leben selbst zu einem Stein werden. Zu einem Eckstein nämlich.

„Jesus Christus, der gekreuzigt wurde, den hat Gott von den Toten auferweckt. Der Stein, der von den Bauleuten verworfen wurde, ist zum Eckstein geworden.“

Jesus will in unserem Leben zum Eckstein werden: zum Fundament, zur Basis.
Jesus will der Grundstein unseres Lebens sein – der Stein, worauf wir alles andere bauen.
Und insofern ist Ostern tatsächlich eine steinige Angelegenheit: all die Steine, die uns bedrücken, die rollt Jesus weg. Und er selbst, der auferstandene Herr, will in unserem Leben selbst zu einem Stein, zum Eckstein, zur Basis werden.
Lassen wir uns darauf ein?
Amen.

Gebet
Herr Jesus, lass es Ostern für uns werden.
Lass alle die Morgenröte am Himmel wahr-nehmen, die in großer Dunkelheit und Trauer ihren Weg gehen.
Roll´ den Stein weg bei allen, denen man Steine in den Weg gelegt hat.
Sende denen einen Lebensboten, die in Trauer und Depression gefangen und ihres Lebens müde sind.
Zeige uns den Weg in jenes Galiläa, indem du, der Auferstandene, auf uns wartest.
Lass es Ostern werden für uns. Komm, Herr Jesus!

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