Predigt von Pfarrer Andreas Lau – Großrückerswalde zu Ostern

Es gibt Ereignisse, die ein ganzes Weltbild durcheinanderbringen.

Manche Menschen erahnen diese Ereignisse.
Und sehen die Welt schon im Voraus mit neuen Augen, noch bevor dieses Ereignis alles auf den Kopf stellt.

In der Bibel werden solche Menschen zuweilen Propheten genannt.
Personen, die mehr sehen als andere.

Manche sprachen zum Beispiel davon, dass der Tod nicht das Ende ist und es durch Gott eine Auferstehung gibt!

Einige hielten diesen Gedanken für verrückt und machten sich über diese Hoffnung lustig.
Sadduzäer zum Beispiel!
Gebildete jüdische Leute mit Einfluss.
Einige von ihnen versuchten, Jesus zu seinen Lebzeiten ins Lächerliche zu ziehen.
Dass Menschen wiederbelebt wurden, als alle sie für tot hielten – das war noch in Ordnung.
Das war noch im Rahmen des vernünftigen Weltbildes!
Denn diese Menschen starben wenigstens früher oder später – und dann wirklich.
Auferstehung aber galt weit verbreitet als Quatsch – auch unter den Juden.

War das, was die Propheten sagten, ein siebter Sinn für etwas, was andere nicht sehen können?
Oder war sie einfach nur Schwachsinn?

Nun neben den Propheten gab es auch andere weitsichtige Personen, deren Sicht in gleicher Weise auf der Kippe stand.
So behaupteten doch einige Zeitgenossen der Propheten nämlich einige Philosophen tatsächlich, dass die Erde eine Kugel sei?
Wie weltfremd muss man denken!
Die Erde wurde als Scheibe gedacht – damit verbunden war nicht selten die Angst runterzufallen.
Und der Horizont war die Kante, an der man fallen konnte.
Diese Sicht bestimmte das Weltbild lange Zeit flächendeckend.
Dass die Erde insgesamt flach ist, konnte doch auch jeder sehen.
Und dass Menschen auf der unteren Seite einer Kugel runterfallen müssten, dass konnte doch auch jeder nachprüfen und im Kleinen erleben.

Man konnte sich eine Erdkugel nicht vorstellen, weil man eine Kraft noch nicht kannte, die auch auf der anderen Seite festhalten würde.
Die Gravitationskraft, die festhält, damit man nicht runterfällt.

1522 nun kommt ein Schiff geladen.
Es läuft in Spanien ein, ein Ereignis, dass das alte Weltbild endgültig auf den Kopf stellt.
Denn dieses Schiff war in die eine Richtung gestartet und kam aus der anderen Richtung wieder an.
Die Umrundung der Erde – sie war ein Ereignis, mit dem sich das Weltbild ändern sollte.
Weil es bestätigte, was andere über 2 Jahrtausende vorher bereits sahen.

Wie es möglich war, dass keiner runterfiel, konnte auch da noch nicht plausibel erklärt werden.
Erst später entdeckte Newton die Kraft, die alles festhält.

 

Zu Ostern begrüßen wir uns mit den Worten: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Als ob wir uns gegenseitig wachrütteln würden, wie sich damals die Jünger Jesus gegenseitig wachgerüttelt haben.
Denn dieses Ereignis verändert im Grunde das komplette Weltbild.
Denn was damals geschah, schreibt ja auch die Karte meines Lebens und Sterbens neu!

Ist meine Lebenszeit eine Scheibe, auf der ich tanze?
Eine Plattform auf der ich versuche, alles mitzunehmen und so lang wie möglich zu bleiben, bis mich der Tod runterschubst und ich ins Bodenlose falle?
Oder ist das Leben bildlich gesprochen eine Kugel?

An Ostermorgen begegnete den Menschen die Kraft, die auch auf der anderen Seite noch hält.
Wie das gehen kann, wusste niemand.
Verstanden hat das keiner!

Wie auch keiner verstand, wie man auf der anderen Seite der Kugel nicht runterfallen kann.

Die Frauen die mit dem leeren Grab und dem Auferstandenen konfrontiert wurden, hatten Angst von der Auferstehung Jesu zu reden.
Weil es unlogisch war und komplett entgegengesetzt zu allen bisherigen Erfahrungen.
Die Angst war berechtigt.
Denn die Leute, die Jesus nahestanden hielten es für sinnloses Geschwätz, was die Frauen da erzählten.
Ein anderer glaubte nicht einmal, als ihm gleich mehrere davon erzählten.
Wie bitte, soll jemand auf der anderen Seite gehalten werden – tot ist tot, runtergefallen, ist runtergefallen.

Die Auferstehung Jesu – sie ist nicht bildhaft oder symbolisch gemeint.
Die Auferstehung ist ein Ereignis, von dem aus vieles anders aussieht als vorher!

Vor der Auferstehung sprach Karfreitag das letzte Wort über Jesus.
Und das Urteil lautete: Jesus ist ein gescheiterter Fantast und alles, was er gesagt hat, ist
Denn als er hingerichtet wurde, war ja allen vor Augen, dass auch er offensichtlich nur ein gescheiterter Fantast gewesen ist gleich mit durchkreuzt.

Mit der Kreuzigung wurde auch alle Worte Jesu mitgekreuzigt.
„Verflucht ist, wer am Holz hängt!“ – so dachte man über Jesus.
Seine Worte seine Sicht auf uns und auf Gott als liebenden und vergebenden Vater galten als verflucht!
Mit Ostern sind auch alle Aussagen über Gott auferstanden und bekräftigt!

Jesus sagt einmal zu den Sadduzäern, die sich über den Gedanken der Auferstehung lustig machen:
„Ihr irrt, weil ihr weder die Prophetenworte noch die Kraft Gottes kennt!“

Das spricht mich an:
Ihr irrt, wo ihr Euer Leben lebt, als gäbe es diese Kraft nicht, die Euch auch auf der anderen Seite hält.
Wer die haltende Kraft nicht kennt, für den kann die Erde nur flach sein.
Und für den ist dann auch der Horizont die schrecklich Kante, an der wir ins Bodenlose fallen.

Ohne Ostern, ist der Tod unser Horizont des Älterwerdens und die Kante, an dem wir ins Bodenlose fallen.

Aber mit Ostern verändert sich dieser Horizont.
Er ist keine Kante mehr, an der ich runterfalle.
Sondern er ist der Blick in eine Freiheit und Weite, die ich jetzt noch kaum fassen kann.

Erst viele Jahre nach 1522 entdeckte man, dass die Kraft, die die Menschen auf der unteren Seite der Erde hält, die gleiche Kraft ist, die sie selber auch auf der oberen Seite hält.

Paulus sagt deswegen einmal, dass die gleiche Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, auch uns hält, schon jetzt auf dieser Seite.

Auferstehung bedeutet nicht nur zu glauben, dass Gott dann irgendwann mal auf der anderen Seite hält, sondern schon jetzt.

Obwohl alle Menschen seit je her von der Erdanziehungskraft getragen wurden, hat es lange gedauert, bis sie bewusst erkannt wurde.
Und auch jetzt wird wohl kaum jemand unter uns sitzen und sagen: Großartig, diese Anziehungskraft, ich spüre sie.
So ist es oft mit Gott im Leben der Menschen.
Er ist die Kraft, die alle trägt, egal ob jemand glaubt oder nicht.

Aber wer sich nur einen Augenblick vor Augen hält, wie chaotisch es ohne die Erdanziehungskraft wäre, wie nicht Halt geben würde.
Der wird schnell verspüren, wie gut es sich anfühlt, jetzt auf der Bank gehalten zu werden, mit den Füßen den festen Boden berühren zu können.

Es ist aber etwas anderes, diese Erdanziehungskraft bewusst wahrzunehmen und zu verspüren, zu realisieren, wie sie Halt und Stand gibt.

Und es ist etwas anderes in dem Vertrauen leben zu können, dass ich in Gottes Hand nicht runterfallen kann.
Gotte Auferstehungskraft, ist bereits jetzt in uns und hält auf dieser Seite und auf der anderen.

 

Es gibt Ereignisse, die die Welt auf den Kopf stellen.
Heute feiern wir so eins.

Denn der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.
Amen

 

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