Predigt 03.05.2020

Abstand. – – – –
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Mindestens 1,5 Meter. Wir haben in unserer Evangelisch methodistischen Kirche in Mildenau fast alle Stühle aus der Kirche geräumt, ihr seht das auf dem Bild. Alles auf Abstand. Für 15 Personen.
Dazu kommt der buntgescheckte, selbstgenähte Mundschutz, der zum Symbol der Corona-Krise geworden ist. Masken verhindern die Verbreitung der Viren, aber sie verbergen auch Gesichter, manchmal erkenne ich die Nachbarn nicht mehr. Passanten auf der Straße vermeiden es, dem Freund, den sie treffen, die Hand zu schütteln. Gemeinschaft besteht darin, Gemeinschaft zu vermeiden. Wie die Maske zum Symbol des Abstands geworden ist, so nehmen Jesu Weinworte den Glaubenden jeden Abstand. Jesus hat Weinstöcke, -trauben und den Wein selbst zum Symbol christlichen Zusammenseins gemacht.
Johannes 15,1
Ich bin der wahre Weinstock. Mein Vater ist der Weinbauer
Der Vater ist derjenige, der sich um den Weinstock kümmert.
Er schneidet jede Rebe ab, die keine Frucht bringt. Und beschneidet auch die Reben, die bereits Früchte tragen, damit sie noch mehr Frucht bringen.
Ich habe mich gefragt: Werden wir beschnitten ganz gleich was wir tun?
Werden wir beschnitten wenn wir keine Frucht tragen und werden wir beschnitten wenn wir bereits Frucht tragen, um noch mehr Früchte hervorzubringen?
Ich bevorzuge es, aus dem zweiten Grund beschnitten zu werden. Das bedeutet, dass ich mich in die richtige Richtung entwickle.

Was ist mit beschneiden überhaupt gemeint?
Es geht darum, dass ein Baum oder eine Pflanze wieder in Form gebracht wird, indem man Äste entfernt die tot sind oder die keine Frucht bringen.

Im Leben von uns Christen gibt es viel Gutes, aber es gibt auch einige tote Äste. Dabei handelt es sich um Dinge, die keine Frucht bringen. Das müssen keine sündigen Dinge sein. Vielleicht verschwende ich z.B. zu viel Zeit für Dinge die nicht wichtig sind und habe deshalb weniger Zeit für Gott. Dann kann er diese toten Dinge abschneiden, um wieder Raum für Lebendiges zu schaffen.

Manchmal wächst ein Ast auch in die komplett falsche Richtung.
Ich kenne den Willen Gottes und dennoch gibt es ein oder zwei Bereiche wo ich tue, was ich will. Ich gehe meinen eigenen Weg.

Wenn ich mein Leben Jesus hingegeben habe, bringe ich Frucht.
Gott möchte, dass in meinem Leben etwas sichtbar wird, die Frucht des Geistes, und das ist Liebe, Freude, Friede, Güte, Freundlichkeit. Er möchte, dass ich mich so verhalte, wie er es tut, damit mein Nächster, mein Umfeld ihn kennenlernen kann. Das geschieht jedoch nur, wenn wir einander lieben.

Gott möchte auch, dass mein Leben ertragreich ist. Er möchte nicht, dass ich meine Zeit und mein Leben verschwende, Dinge immer wieder aufschiebe und gar nichts tue.
Gott möchte, dass ich meine Zeit und mein Leben in etwas Wertvolles investiere und nicht nur versuche, mich selbst glücklich zu machen.
Ich sollte die mir zur Verfügung gestellte Zeit nutzen, um mich auf die Ewigkeit vorzubereiten.
Die Ewigkeit ist für immer. Die Ewigkeit hat kein Ende.
Wer lange lebt wird vielleicht 100 Jahre alt. Was ist das im Licht der Ewigkeit?

Wenn ich an das Leben meiner Eltern denke, dann stelle ich immer wieder voll Bewunderung fest, wie sie sich um andere Menschen gekümmert haben. Oft hatte ich den Eindruck meine Eltern leben nur für andere, Einkaufen fahren, Arztbesuche, Mitarbeit in der Suchtarbeit, die vielen aufmunternden Gespräche auf der Straße und dann hat meine Mutter noch viel gebastelt um anderen eine Freude zu machen. Mittagessen hat man bei Mehlhorns auch immer bekommen. Einfach anmelden.
Einmal saß ich bei meinen Eltern am Esstisch und meine Mutter sagte, wir sind immer für andere da, geben hier und dort und keiner sagt Danke.
Der Dank auf den meine Mutter gewartet hat, ich bin mir sicher, den bekommt sie jetzt in der Ewigkeit. Was wird das für ein Dank sein!

Wir sollten jetzt Samen aussäen, die einen himmlischen und dauerhaften Lohn hervorbringen und nicht einen irdischen Lohn, der darauf angewiesen ist, was andere Leute zu mir sagen und von mir denken. Unser Leben sollte also ertragreich sein.

Noch einmal die Frage: Was versteht man unter beschneiden?
Jesus sagt: Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, bringt reiche Frucht, wer nicht, der wird weggeworfen.
Beschneiden bedeutet, stutzen, zurückschneiden oder in Form bringen.

Wenn Gott mich korrigiert, tut er das aus Liebe zu mir.
Was er von mir abschneidet, ist z.B. meine schlechte Einstellung, mein Stolz, meine beherrschende und manipulierende Art, Selbstsucht, meine Ich-Bezogenheit. Solche Dinge geben wir nicht gerne auf.

Und Gott wird immer durch sein Wort zu mir sprechen.
Wie oft sage ich zu meinen beiden Jungs: „Wenn ihr doch nur auf mich gehört hättet, wenn ihr nur auf das gehört hättet was ich euch gesagt habe, dann wäret ihr nicht in Schwierigkeiten geraten.“
Gott spricht als erstes durch sein Wort zu uns, doch wenn wir nicht zuhören, liebt er uns genug, um unsere Umstände zu beeinflussen.
Wenn Gott etwas aus unserem Leben entfernt, tut er das, um das wir das beste Leben haben können. Gottes Absicht ist es nicht, uns zu verletzen, er will uns auch nichts wegnehmen.

Johannes 15,2-4
Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt. Und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe. Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe auch ich mit euch verbunden. Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen. Dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben.

Wenn wir als Christen etwas lernen müssen, dann ist es mit Gott zu leben und nicht nur am Sonntagmorgen in die Kirche zu gehen. Es ist wichtig, dass wir Zeit mit Gott verbringen.
Ich wurde einmal gefragt was ich tue wenn ich Zeit mit Gott verbringe.
Ich habe geantwortet, es ist nicht wichtig was ich tue, sondern das ich mir Zeit für Gott nehme. Ich ehre Gott indem ich mich hinsetze und sage, Vater hier bin ich. Danke, dass es mir gut geht, danke, dass ich gesund bin usw. Ich darf zu Gott kommen wie ein kleines Kind.

Von Rudolf Westerheide stammt das Buch Die Bibel – 7 Gründe warum ich sie lese. Im ersten Kapitel seines Buches stellt er die Frage: Warum putze ich mir am Abend und am Morgen die Zähne?
Weil ich es gewohnt bin.
Warum lese ich Bibel?
Weil ich es gewohnt bin? – kann ich das sagen?
Beim Bibellesen ist es wie beim Zähneputzen – für das langfristige Ergebnis ist eine konsequent umgesetzte Gewohnheit äußerst hilfreich.

Ich kann keine gute Frucht tragen, wenn ich nicht am Weinstock bin.
Ich vertrockne.
Ich brauche jeden Tag neue Kraft von Gott. Ich brauche jeden Tag eine Berührung von Gott. Jeden Tag muss ich sein Wort in mich aufnehmen, darüber reden und nachdenken.

Johannes 15,7
Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte im Innersten bewahrt, dann gilt: Was immer ihr wollt, darum bittet – und eure Bitte wird erfüllt werden.
Wie kann mir Gott das Versprechen? – diese Frage habe ich mir im Blick auf diesen Vers schon oft gestellt
„Wenn du in mir bleibst, mit mir lebst, in mir verweilst, wenn wir das Leben miteinander gestalten, wenn ich die Nummer Eins in deinem Leben bin“, so sagt Gott, „dann versuchst du nicht, irgendetwas ohne mich zu tun“. Wir müssen begreifen, was dieses Bleiben bedeutet.
Wenn mein Wort in dir bleibt, wenn es mein Wort ist, was dich leitet, wenn du mich auf all deinen Wegen erkennst – dann bin ich nicht perfekt. Aber ich habe eine perfekte Herzenshaltung gegenüber Gott. Und dann wird zu gegebener Zeit auch alles andere in Ordnung kommen.
Ich muss nicht perfekt sein wenn Jesus wiederkommt.

Wenn ich immer eng mit Gott verbunden bin und die Bibel das Licht ist, das mir die Richtung weist, werde ich nicht um Dinge bitten, die nicht gut für mich sind.
Deshalb kann Gott sagen, wenn du mit mir verbunden bleibst und meine Worte im Innersten bewahrst dann gilt: Was immer du bittest, ich werde es erfüllen.
Das ist ziemlich raffiniert. Oder?
Gott ist eine Art Psychologe.
Das ist, wie wenn jemand zu mir sagt, „das schaffst du nicht“, ich bin dann so was von ehrgeizig ihm zu beweisen, dass ich das schaffen kann.
Gott ist manchmal sehr raffiniert. Aber auf eine gute Weise.

Wenn du in mir bleibst und mein Wort in dir bleibt – das passiert nicht, wenn ich Sonntagmorgen für 1 Stunde in die Kirche gehe, oder wenn ich am Morgen vor der Arbeit schnell noch die Losung lese.
Das passiert nur, wenn Gott mein Leben ist, in mir ist. Nur Gott kann echte Veränderungen bewirken.

Und schließlich heißt es:
Johannes 15,8
Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar, dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist.

Amen

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