Predigt zum 10.05.2020 – Muttertag

Der große Glaube einer Mutter

Im letzten Vers heißt es unseres heutigen Predigttextes heißt es:
Frau, dein Glaube ist groß! Dir geschehe wie du willst.

Jesus bezeichnet nur zweimal in der Bibel den Glauben von Menschen als groß.
• In Lukas 7 sagt er von einem römischen Hauptmann: Nicht einmal in Israel habe ich so einen Glauben gefunden
• Hier in Matthäus 15 sagt er: Frau, dein Glaube ist groß!
Ich möchte heute über den großen Glauben einer Mutter sprechen.
Drei Dinge sind mir bei diesem Glauben wichtig geworden:
Die drei Gedanken bauen aufeinander auf, sie sind voneinander abhängig, wenn man sie zusammenfügt ist das Ergebnis ein großer Glaube.

1. Der erste Bestandteil eines großen Glaubens ist Ausdauer
Ausdauer in mitten von Schweigen, inmitten von Abwehr, inmitten von Verwirrung.
Wir sehen eine Mutter die zu Jesus kommt. Sie ist verzweifelt. Sie ist in großer Not. Ihre Tochter wird von Dämonen gequält, von denen sie besessen ist.
Im Text steht nichts von den Symptomen der Tochter. Aber anhand anderer Stellen in der Bibel wissen wir, dass es eine große Qual gewesen sein muss. Menschen bekommen durch Dämonen Krämpfe und Anfälle. Die Dämonen versuchen die von ihnen besessenen Menschen zu töten, indem sie sie ins Wasser oder Feuer werfen.
Von Dämonen besessen zu sein ist nicht gut.

Von den Symptomen der Tochter hören wir hier in der Geschichte nichts, aber die Mutter ist am Ende ihrer Kraft. Sie braucht unbedingt die Hilfe von Jesus. Also kommt sie zu ihm und erklärt ihre Situation. Sie schildert ihre Not.
Um die Tochter geht es der Frau. Unter ihr hat sie zu leiden. Dieses Leid, diese Last treibt sie zu Jesus hin, der so vielen schon geholfen hat.
Die Frau kommt zu dem, der die Mühseligen und Beladenen zu sich rief, um ihnen Ruhe zu gewähren und Entlastung.
Sie kommt und bringt alles mit, was an Last und Mühe, an Problemen und Sorgen auf ihr liegt.
Ihre Verzweiflung legt sie hinein in den Schrei:
Sohn Davids erbarme dich mein!

Nach allem was ich über Jesus weiß, würde ich in der Geschichte jetzt erwarten, dass Jesus die Hand auf die Tochter legt und sie heilt.
Aber wie reagiert Jesus?
Und er antwortet ihr kein Wort!

Oh ich kenne das. Da bete ich tagein tagaus und schildere Gott meine Not, ich brauch seine Hilfe, sein Eingreifen aber nichts geschieht. Es herrscht einfach Stille, ein Rauschen am Ende der Leitung.

Schweigen ist frustrierend.
Wenn es um Leben und Tod geht, wie hier bei der Mutter, wenn man verzweifelt ist und eine Antwort von Gott braucht und er darauf nur mit Schweigen antwortet, geben viele von uns und auch ich auf.
Warum reagiert Jesus nicht?
Warum schweigt Gott?

Doch die Frau in der Geschichte wendet sich nicht enttäuscht ab.
Das gefällt mir an der Mutter so sehr. Ich möchte so sein wie sie. Denn obwohl sie nicht die Antwort bekommt, die sie sich von Jesus wünscht, bleibt sie stur und sagt: „du wirst mich nicht los. Du kannst so lange schweigen wie du willst. Ich bleibe hier. Ich habe eine kranke Tochter zu Hause, ich gehe nicht weg. Du kannst schweigen. Du kannst dein Ding durchziehen. Aber du wirst mich nicht los bevor du nicht meine Tochter geheilt hast“.
Die Frau ist voller Glauben und voller Ausdauer. Sie lässt sich vom Schweigen Jesu nicht abhalten – was für ein Vorbild.
Ein großer Glauben bleibt standhaft, auch wenn Schweigen herrscht.

Wisst ihr, nicht nur Jesus schweigt, auch die Jünger wollen die Frau weghaben.
Vers 23: Da kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Schick sie weg! Denn sie schreit hinter uns her.
Es ist eine Tatsache, dass wir Christen manchmal Sachen sagen oder tun die nicht hilfreich sind. Die Jünger, die Jesus am Nächsten stehen und die ihn in der Welt am meisten wiederspiegeln sollten, schicken die Frau weg.
Der Grund dafür sind ihre Vorurteile gegenüber Heiden und einer Frau.
Es ist nicht Jesus durch den Menschen verletzt werden, es sind die anderen Menschen.
Unsere Gemeinde, unsere Kirche ist nicht perfekt und wisst ihr warum? Weil ich und du zu dieser Gemeinde gehören und weil keiner von uns ein perfekter Jünger ist. Je mehr wir miteinander zusammen sind und je intensiver wir miteinander leben, desto mehr Grund geben wir uns einander zu enttäuschen.

Nachdem die Frau das Schweigen Jesu und den Angriff der Jünger ausgehalten hat, spricht nun Jesus zu ihr. Und was sagt er: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen Israels.

Das war nicht die Antwort die die Frau erwartet hat.
Eigentlich kann die Frau jetzt gehen. Hier hat sie nichts mehr verloren und nichts zu erwarten.
Eigentlich müsste sie es doch begreifen, dass Jesus nun mal als Jude zu den Juden gekommen ist.
Aber sie begreift es nicht!
Sie kann nicht begreifen, dass dieses Nein Gottes sein letztes Wort ist. Sie kann, sie will die Hoffnung nicht aufgeben, dass Jesus ihr noch hilft.
Und so ist ihre kluge und schlagfertige Beharrlichkeit nichts anderes als Ausdrück von Hoffnung, allem Augenschein zum Trotz.
Das ist für mich großer Glaube.

Ab und zu höre ich in Gesprächen den Satz: „Ich habe den Eindruck, dass Gott allen möglichen Leuten hilft, nur mir nicht. Da wird Schwester sowieso beschenkt und Bruder sowieso wird geheilt und er erzählt voller Begeisterung im Gottesdienst davon, aber ich? Kann Gott sich auch mal um meine Probleme kümmern?“
Es ist für uns verwirrend wenn Gott nicht das tut, was er unserer Meinung nach irgendwann tun sollte.
Gott ist nicht so, wie ich mir das denke, sondern so wie er es seinem Wort nach ist.
Er sagt in seinem Wort: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege. So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Gott lässt sich nicht durchschauen, er lässt sich nicht abstempeln und in eine Schublade stecken die wir für ihn geschaffen haben.

Gott möchte, dass wir an ihn glauben.
Gott ist nicht immer so, wie wir ihn haben wollen. Er handelt und redet nicht so wie wir es gerne hätten. Wir brauchen Glauben um standhaft zu bleiben.

Das gefällt mir so sehr an der Mutter in der Geschichte. Sie hat Ausdauer. Auch wenn Gott schweigt oder andere sie angreifen und sogar, wenn die Worte Jesus in ihrer Situation nicht viel Sinn ergeben. Sie hat Ausdauer.

Wie bekommen wir solche Ausdauer?
Wie heißt es im Vers 25 – Aber die Frau warf sich vor ihm nieder. Was heißt das, warf sich vor ihm nieder?
Ich kann mir das nur so erklären, die Frau kam, warf sich vor Jesus nieder und betete ihn an.

Das ist der zweite Bestandteil eines großen Glaubens,
die Anbetung.
Anbetung hat für mich nicht nur was mit Singen zu tun.
Hier in der Geschichte geschieht Anbetung vor dem Wunder.
Wir sollen Gott anbeten bevor wir eine Antwort bekommen. Wir sollen anbeten, wenn wir den Eindruck haben jetzt ist der falsche Augenblick dafür. Jetzt muss ich eher kämpfen.

Jedem von uns fällt Anbetung leicht, wenn es uns gut geht, wir gesund sind, Arbeit haben, genug Geld auf dem Konto, in einer glücklichen Familie leben und unsere Gebete erhört werden.

Aber Gott anzubeten wenn es scheint als wäre die ganze Welt gegen uns und alles rundherum zusammenbricht.
Da wird aus Lobpreis Glaube.
Lobpreis sind nicht vier Lieder am Eingang des Gottesdienstes. Lobpreis ist auszusprechen wer Gott ist. Dass er freundlich, barmherzig und voller Liebe ist – auch wenn es in unserem Leben vielleicht gerade anders aussieht.
In Gottes Natur liegt es zu segnen, zu retten und zu heilen. Er kann das unmögliche tun. Er ist denen nahe, die zerbrochenen Herzens sind.
Und das sollen wir aussprechen in unserem Lobpreis und dann hören es unsere Ohren. Warum ist das so wichtig?
Weil der Glaube aus dem Hören kommt.

Kommen wir zum 3.Punkt.
Der 3. Bestandteil eines großen Glaubens ist die Demut.

Die Frau warf sich vor ihm nieder und sagte: „Herr hilf mir“ Aber Jesus antwortete: Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen. Die Frau entgegnete: Ja, Herr!
Aber die Hunden fressen doch von den Krümeln, die vonm Tisch ihres Herrn herunterfallen. Darauf antwortet ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß.

Als erstes sagt die Frau: Herr. Sie redet Jesus mit Herr an. Und Herr bedeutet Chef. Sie sagt, Jesus du hast alles in der Hand. Du hast mein Leben, meine Situation in der Hand, du hast alles in der Hand.
Dann sagt sie, hilf mir. Ich schaffe es nicht allein. Ich bin mit meiner Kraft am Ende. Ich habe alles getan, um meiner Tochter zu helfen. Ich liebe sie. Aber ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe keine Kraft mehr. Hilf mir!

Für uns ist es doch schwer jemand um Hilfe zu bitten.
Wir haben heute fast alle im Auto ein Navi. Aber manchmal kommen wir auch mit dem Ding nicht sehr weit. Wer von uns dreht den gerne die Scheibe runter und fragt: Können sie mir bitte helfen! Ich find den Weg nicht.

Demut bedeutet, ich frage Gott um Hilfe.
Jesus, ich brauche deine Hilfe.

Der große Glaube einer Mutter.
Ich hoffe und bete, dass ich in ähnlichen Situationen in meinem Leben, wenn ich einen großen Glauben brauche, so handeln kann wie die Mutter. Das ich Ausdauer habe, wenn mir Schweigen begegnet. Das ich Ausdauer habe, wenn ich angegriffen werde und das ich in Demut zu Gott kommen kann und ihm sage, Herr ich ordne mich dir unter. Du bist der Chef, du hast alles in der Hand. Deine Pläne sind besser als meine. Hilf mir!

Möge Jesus dann auch sagen:
Claudia, dein Glaube ist groß! Was du willst soll geschehen!

Amen

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