Predigt zu Christi Himmelfahrt am 21.05.2020

Ein lieber Besuch reist wieder ab. Wir bringen ihn zum Bahnhof. Warum tun wir das? Nicht nur, weil wir ein Auto haben oder um mit Koffer tragen zu helfen.
Vielmehr heißt das: So weit ich kann, begleite ich dich. Mein Herz schicke ich mit auf die Reise. Du warst und bist ein Teil meines Lebens.

Vatertag Christi Himmelfahrt: Was ist daran denn die Attraktion? Jesus hat uns den Himmel erschlossen. Er ist schon da. Für unsere irdische Lebensfahrt haben wir einen Heimathafen bei Gott, unserem himmlischen Vater. Also doch: Vatertag! So gesehen, Ja. Reinhard Ellsel, zum Spruch zu Himmelfahrt /Exaudi: „Jesus Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32 Grafik: Reichert

Wieder zu Hause angekommen, nach Abfahrt des Zuges, sind die Zimmer so leer. Ich träume dem Besuch nach. Es war schön, was wir miteinander erlebten, dass wir zusammen waren. Aber nun muss das Leben ohne ihn weitergehen.

Gerade so ein Abschied war es am Tag der Himmelfahrt Jesu nicht!
Diese Himmelfahrt war vielmehr ein Fest!
Das war nur möglich, weil die Jünger des Herrn etwas Entscheidendes begriffen hatten: Jesus verlässt uns gar nicht!
Ein erstaunliches Abschiedsfest!

Statt Entfernung: Größe!
Statt Schmerz: Freude!
Statt Rückblick: Vorschau!

1.
Statt Entfernung Größe.
Wenn sich jemand von uns entfernt, wird er scheinbar immer kleiner.
Im abfahrenden Zug sehe ich bald das Gesicht nicht mehr hinter der Fensterscheibe, dann nur noch vielleicht das winkende Taschentuch, schließlich wird der Zug selbst zu einem Punkt in der Landschaft und verschwindet.

Das ist ein Gleichnis, wie viele mit ihrem Christentum verfahren. Mit zunehmender Entfernung, das heißt nachlassendem Gebet, versäumten Gottesdiensten, aufhörendem Lesen in der Bibel, wird Gott immer kleiner im Blickfeld, bis er ganz verschwunden ist.
Ist man nun ein Atheist?

Aber es ist eine große optische Täuschung!
Nicht Gott entfernt sich. Wir Menschen sind es in so einem Fall, die sich entfernen.

Die Apostel berichten von einer ganz anderen Bewegung am Himmelfahrtstag: Jesus wird dadurch größer. Er sitzt nun zur Rechten Gottes. „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß“ – wie es in einem Kirchenlied heißt.

2.
Statt Abschiedsschmerz: Freude!
Ein Abschied tut immer irgendwie weh. Besonders ist das der Fall, wenn ein Wiedersehen sehr ungewiss ist.
Ganz anders am Himmelfahrtstag. Mit großer Freude kehren die Jünger nach Jerusalem zurück.

Wenn wir kirchenfremde Menschen erreichen wollen, braucht es Menschen die ihr Leben ganz Gott anvertraut haben.
Glauben heißt, auf die wohl verborgene, aber doch wirkliche Macht des Herrn zu vertrauen, wie es uns in Gottes Wort gelehrt wird.

Es ist Jesu Abschiedsfest, nicht das der Jünger!
Es ist auch darin erstaunlich, dass es nicht zu Schmerz, sondern zu großer Freude führt.
Zuerst bei Christus selbst, dann aber auch bei seinen Jüngern.

Christus hob die Hände auf und segnete sie.
Das hieß: Ihr seid mein! Matthäus berichtet, dass Jesus auch gesagt habe: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Und weiter hat er gesagt: „Ich will auf euch herab senden, was mein Vater verheißen hat“.

3.
Statt Rückblick: Vorschau!
In fast jedem Zimmer im Seniorenheim gibt es Fotografien von bereits verstorbenen Ehepartnern oder Kindern.

Die Bilder sollen immer wieder die Erinnerung wachrufen an glückliche Zeiten, als Hochzeit gefeiert wurde, als man mit dem Ehepartner noch
voll im Leben stand. Zugleich kommt dann die Wehmut auf: Es war einmal und ist nicht mehr. Denn jetzt ist man alt, schwach oder gar krank, unansehnlich und einsam. Kaum ist noch etwas vom Leben zu erwarten.

Blicken wir in unseren Gemeinden nicht auch viel zu oft zurück? Früher hatten wir noch mehr Kinder in unseren Gemeinden! Der Pastor war noch mit dem Fahrrad unterwegs und hatte trotzdem mehr Zeit für die Leute!
Und auch in unseren Worten ist Wehmut zu hören.

Doch es muss nicht nur die Rückschau geben.
Es hat viel Sinn und Verheißung, nach vorn zu blicken, ja es ist das einzig Richtige. Der Himmelfahrtstag zeigt es.

Als die Jünger umkehrten nach Jerusalem,werden sie wohl manchen Ort besonders wahrgenommen haben: Hier zog ER durch das Tor auf einem Esel reitend, hier trug er sein überschweres Kreuz, hier kam er zu uns hinter verschlossene Türen.

Aber dies Abschiedsfest war auch darin besonders, dass es nicht bei einer Rückschau und Erinnerung blieb, sondern einmündete in ein Vorwärtssehen.
Die Jünger „waren fortan allezeit im Tempel und priesen Gott“.

Im Griechischen ist das Wort „segnen“ auch das Wort für „preisen“.
Gottes Segen, wo er echt wahrgenommen wird, führt zum Preisen.
Und das Preisen wiederum öffnet uns das Herz, es befreit und wird uns so zu einem Segen.

Die Jünger wurden bekennende Christen, die in ihren Gottesdiensten Christus als den Herrn der Zukunft ausriefen.

Auch für uns gehört es zu diesem erstaunlichen
Abschiedsfest:
Himmelfahrt ist keine Fahrt ins Blaue. Es ist verständlich, wenn die Männer mal weg von Sorgen, Beruf und Familie wollen. Sie möchten mal alles hinter sich lassen und vergessen.

Auf diese Weise soll aller Rückblick mal ausgeblendet sein. Dabei gibt der Tag gerade Anlass zu entdecken:
Das Leben hat ja tatsächlich ein gutes Ziel, eins, für das sich auf jeden Fall zu leben lohnt. Dieses Ziel steuern wir an durch Umkehr zu Gott, die in Jesus ja möglich geworden ist.

Die ältesten Himmelfahrtsdarstellungen zeigen allein Gottes Hand, wie sie sich Christus entgegen streckt, von oben, aus einer Wolke.

Gott nimmt seinen Sohn wieder zu sich.
Ein erstaunliches Abschiedsfest ist Christi Himmelfahrt.

Obwohl er der Liebenswerteste ist, der je auf Erden war, gibt es keinen Abschied unter Tränen.

Statt sich zu entfernen, wie es den Augen scheint, wird er groß für uns alle. Den Jüngern bringt das Freude und keinen Schmerz.
Amen

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