1. Passionsandacht

Nehmt auf euch mein Joch

Sieger Köder, Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. Kreuzweg in der Kirche St. Stephanus zu Wasseralfingen, V. Station
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen
www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke


Kerze anzünden

Stille

Gebet

Herr Jesus Christus, in diesen Wochen der Passionszeit nutzen wir die Zeit, die uns von dir geschenkt ist, und wir begleiten dich auf deinem Weg nach Jerusalem. Dein Weg führt dich durch schweres Leid bis hinein in den Tod.

Du gehst diesen Weg nicht für dich, nicht zu deinem eigenen Vorteil, sondern du gehst ihn für mich, zu meinem Vorteil, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit. Du gehst diesen schweren Weg, damit ich Vergebung finde, weil ich Vergebung brauche.

Dir befehlen wir uns an, dein guter Wille möge allezeit geschehen. Amen.

Lesung

Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten. Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.

Betrachtung des Bildes

Kennt ihr das? Ihr besucht einen Vortrag oder vielleicht auch eine Vorstellung. Und dann kommt der Moment, in dem einer der Mitarbeiter seinen Platz verlässt und sich jemandem im Publikum ausguckt, der ihm „behilflich“ sein darf.

Mir rutscht da regelmäßig das Herz in die Hose, wenn dieser Punkt kommt. Und ich denke: „Bitte nicht ich, bitte nicht ich, bitte nicht ich.“ Meistens ist der Kelch bisher an mir vorüber gegangen.

Ich könnte mir vorstellen, dass es Simon von Kyrene ganz ähnlich ergangen ist. Nichts Böses ahnend, kommt er die Straße entlang, als die kleine Abordnung – Jesus mit dem Kreuz und die Soldaten – Richtung Golgatha geht.

Und dann steht er plötzlich mitten auf der Bühne. Unfreiwillig. Aber nicht widerwillig. Zumindest nicht für den Künstler Sieger Köder in seiner Kreuzweg-Darstellung.

Da stehen zwei Männer, gleich groß, exakt auf Augenhöhe, wie wir gerne so sagen. Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, welcher von beiden Jesus ist, nämlich der rechte mit dem bleichen Gesicht und den Wunden an der Stirn von der Dornenkrone.

Vier Hände, man braucht ein wenig, um sie den beiden zuzuordnen. Die beiden halten sich aneinander. Einer trägt die Last für den anderen mit. Ihr Blick geht in die gleiche Richtung, auf den Weg vor ihnen, auf das, was jetzt kommt.

Zufall oder Schicksal bringt Menschen in solche Situationen.

Da sind die Menschen, die plötzlich als – systemrelevant – unendlich viel mehr arbeiten müssen, als sie sich je vorstellen konnten. Da sind die Menschen, die plötzlich nicht mehr arbeiten dürfen oder auf ganz andere ungewohnte Arbeitsweisen zurück geworfen werden und doch die Last einer Aufgabe und Verantwortung spüren, ohne schon ‚zugreifen‘ zu können.

Da sind die Familien, die eine Nähe aufgezwungen bekommen, die sie gar nicht gewöhnt sind.

Da sind die Älteren, die plötzlich in selbst auferlegte Quarantäne müssen, um gesund zu bleiben. Auch das ist eine Last, die zermürben kann.

Was gestern noch galt, ist heute in Frage gestellt… Wirtschaftliche Probleme und Lasten werden auch viele zu (er)tragen haben.

Das Schicksal fragt nicht: „Willst du das?“. Es zwingt einen, so wie Simon gezwungen wurde, das Kreuz mit zu tragen.

Lasten tragen ist mühsam, Lasten mittragen genauso. Aber ich könnte mir vorstellen, dass uns diese Zeit verändert. Vielleicht schärft diese Zeit unseren Blick für die Bedürfnisse und Nöte anderer Menschen in der Nähe und in der Ferne. Vielleicht werden wir aufgerüttelt aus mancher Gleichgültigkeit.

Ich glaube, dass über allen Lasten, die wir zu tragen haben, die wir mittragen oder miteinander tragen müssen, diese Verheißung steht:

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Gebet

Jesus Christus, du hast am Kreuz die Last getragen, die Menschen durch ihre Schuld dir aufgeladen haben.

Schenke du uns Augen der Liebe, die die Lasten unserer Mitmenschen sehen und mittragen.

Schenke uns deine Hoffnung, dass wir andere trösten können.

Wir bitten dich für alle Menschen, die unter der Corona-Krise leiden: die Kranken, ihre Angehörigen, die Pflegenden, die Einsamen in ihren Wohnungen, die wirtschaftlich stark Belasteten und die, die über der Krankheit in Vergessenheit geraten. Sei du ihnen nahe, stärke und beschütze sie. Schenke ihnen Hoffnung. Du bist unsere Hoffnung, jetzt und allezeit. Amen.

Text von Claudia Küchler, gesprochen von Esther Schreiter

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