2. Passionsandacht

Verborgen vom Kreuz

Jesuns begegnet seiner Mutter, Kreuzweg in der Kirche St. Stephanus zu Wasseralfingen, IV. Station
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Ellwangen
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Kerze anzünden

Stille

Gebet

Herr Jesus Christus, in diesen Wochen der Passionszeit nutzen wir die Zeit, die uns von dir geschenkt ist, und wir begleiten dich auf deinem Weg nach Jerusalem. Dein Weg führt dich durch schweres Leid bis hinein in den Tod.

Du gehst diesen Weg nicht für dich, nicht zu deinem eigenen Vorteil, sondern du gehst ihn für mich, zu meinem Vorteil, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit. Du gehst diesen schweren Weg, damit ich Vergebung finde, weil ich Vergebung brauche.

Dir befehlen wir uns an, dein guter Wille möge allezeit geschehen. Amen.

Lesung:

Da nahm Simeon Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.

Gedanken zum Bild

Jesus begegnet seiner Mutter.

Und was machen wir? Wir begegnen in diesen Tagen immer weniger Menschen zumindest nicht persönlich.

Das Bild, das ihr betrachtet – hat so wahrscheinlich gar nicht stattgefunden. Von körperlichem Kontakt zwischen Jesus und seiner Mutter Maria vor dem Kreuz wissen wir rein gar nichts. Trotzdem fühle ich irgendwie, dass da doch Nähe zwischen den beiden ist. Vorstellen kann ich mir dieses Treffen zumindest sehr gut.

Und ich erinnere mich plötzlich – als Christ lebe ich ja eigentlich auch so. Zuneigung zu meinem Gott – aber eben auch ohne persönlich sichtbaren Kontakt. Jetzt unter den Einschränkungen gibt es Zeit dafür – ich erlebe sehr viel Nähe, gespürte und gefühlte Gemeinschaft! Ich lege meine Hand auf das Holz.

Mir kommt der Gedanke: Ich lebe  aus der Gewissheit, mit Jesus hinterm Kreuz zu stehen, ihm zu folgen und dann, ja dann wieder im Leben zu stehen. Vielleicht im Besonderen gerade jetzt.

Was zwischen Mutter und Sohn gesagt wird, dessen können wir nicht Zeugen sein, das muss ein Geheimnis bleiben. Wir können nur vermuten, dass der Schmerz der Mutter ins Unendliche geht, weil sie nun Abschied nehmen und ihren geliebten Sohn alleine lassen muss. Was wir dagegen sehen können ist eine Geste. Zwei Hände, die sich berühren. Mehr braucht es in diesem Augenblick auch nicht, als da zu sein für einen anderen – und mit ihm einen Augenblick auszuhalten. Maria kann ihrem Sohn das Kreuz nicht abnehmen, aber sie kann Anteil nehmen an seinem Schmerz und seinem Leid.

Auch wenn die Hände der Berührung eine gewisse Zeit fehlen werden. Es wird trotzdem Leid geteilt, Trost gespendet und sich füreinander eingesetzt! Vielleicht nicht sichtbar in aller Öffentlichkeit durch große Veranstaltungen und Reden. Aber durch kleine Gesten, durch die vielen Marias, die ihren Dienst schon immer und auch weiter tun ohne dass es einer sieht und merkt – manchmal mit kleiner Geste. Das gute alte Telefon tut wieder seinen Dienst. Briefe werden geschrieben, kleine Geschenke vor die Tür gestellt.

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Gebet

Jesus Christus, du hast am Kreuz die Last getragen, die Menschen durch ihre Schuld dir aufgeladen haben.

Schenke du uns Augen der Liebe, die die Lasten unserer Mitmenschen sehen und mittragen.

Schenke uns deine Hoffnung, dass wir andere trösten können.

Wir bitten dich für alle Menschen, die unter der Corona-Krise leiden: die Kranken, ihre Angehörigen, die Pflegenden, die Einsamen in ihren Wohnungen, die wirtschaftlich stark Belasteten und die, die über der Krankheit in Vergessenheit geraten. Sei du ihnen nahe, stärke und beschütze sie. Schenke ihnen Hoffnung. Du bist unsere Hoffnung, jetzt und allezeit. Amen.

Text von Claudia Küchler, gesprochen von Esther Schreiter
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