Karfreitag 2020

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh.3,16

Gebet:
Unbegreiflicher, gnädiger, liebender Gott, wir haben das Kreuz deines Sohnes vor Augen und wir hören: Für uns hast du Jesus dahingegeben.
Gott, wir haben das Kreuz deines Sohnes vor Augen und würden es am liebsten nicht sehen, weil es uns zeigt, wie viel es dich kostet, uns zu erlösen aus der Gewalt des Bösen.
Wir bitten dich, vertiefe unser Verständnis für unsere Bedürftigkeit und erschließe uns neues Leben durch Jesus, gestorben und auferstanden für uns.

Lesung:
2. Korinther 5, 14b – 21

In Paris, so erzählt eine Geschichte, gab es eine besondere Bäckerei. Eine ganz besondere. Nicht nur wegen des guten Brotes und des entsprechenden Duftes zog sie Menschen unwiderstehlich an. Noch mehr wegen des alten Bäckers selbst, der oft hinter der Theke stand.

Dieser Bäcker wusste, dass man Brot nicht nur zum Satt-Essen braucht.
Aber viele Menschen erfuhren das erst hier.
Zum Beispiel der Busfahrer, der einmal zufällig in den Brotladen kam. „Sie sehen bedrückt aus“, sagte der alte Bäcker zu ihm. „Ich habe Angst um meine kleine Tochter“, antwortete der Busfahrer. „Sie ist gestern aus dem Fenster gefallen, aus dem zweiten Stock.“ „Wie alt?“ fragte der alte Bäcker. „Vier.“, antwortete der Busfahrer.
Da nahm der alte Bäcker ein Stück vom Brot, das gerade auf dem Ladentisch lag, brach zwei Stücke ab und gab das eine dem Busfahrer. „Essen Sie mit mir, ich will an Sie und Ihre kleine Tochter denken.“ – So etwas hatte der Busfahrer noch nie erlebt, aber er verstand sofort, was der alte Bäcker meinte, als er ihm mit diesen Worten das Brot in die Hand gab. Und sie aßen beide und schwiegen dabei.

Dann kam eine Frau. Sie hatte es eilig, wollte nur schnell noch ein Brot kaufen. Aber bevor sie etwas sagen konnte, gab der alte Bäcker ihr ein Stück Brot in die Hand und sagte: „Essen Sie mit uns. Die Tochter dieses Herrn liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Sie ist aus dem Fenster gestürzt. Vier Jahre alt ist sie.“
Langsam nahm die Frau das Stückchen Brot und aß. o ähnlich war das oft in dem Bäckerladen.

Manchmal sogar noch viel wundersamer. Zum Beispiel an jenem Morgen, als die Tür plötzlich aufgerissen wurde und ein junger Mann hereinstürzte. Er versuchte offensichtlich, vor jemandem zu entkommen. Der offene Bäckerladen kam da gerade recht. Hastig schlug er die Tür hinter sich zu und schob von innen den Riegel vor. „Was tun Sie da?“ fragte der alte Bäcker. „Die Kunden wollen doch rein, um Brot zu kaufen. Machen Sie wieder auf!“ Da erschien vor dem Laden schon ein Mann, in der Hand eine Eisenstange. Als er im Laden den jungen Mann sah, wollte er rein. Aber die Tür war verriegelt. „Er will mich erschlagen“, keuchte der junge Mann. „Der?“ fragte der Bäcker. „Ja, mein Vater“, schrie der Junge zitternd.
Er ist jähzornig. „Das lass mich nur machen“, antwortete der alte Bäcker, ging zur Tür, schob den Riegel zurück und rief dem Mann zu. „Guten Morgen Gaston. Am frühen Morgen regst du dich schon so auf? Das ist ungesund. So kannst du nicht lange leben. Komm herein, Gaston. Aber ohne die Stange. In meinem Laden wird kein Mensch umgebracht.“
Der Mann trat ein. Seinen Sohn schaute er nicht an. Und er war viel zu erregt, um dem Bäcker antworten zu können. Mit der Hand wischte er sich über die feuchte Stirn. Da hörte er den Bäcker sagen: „Komm, Gaston, iss ein Stück Brot, das beruhigt. Und iss es zusammen mit deinem Sohn; das versöhnt. Ich will auch ein Stück Brot essen, um euch bei der Versöhnung zu helfen.“ Dabei gab er jedem ein Stück Brot. Und Gaston nahm das Brot, und sein Sohn nahm auch. Und als sie davon aßen, sahen sie einander an und der alte Bäcker lächelte beiden zu. Als sie aufgegessen hatten, sagte Gaston: „Komm, mein Junge, wir müssen an die Arbeit.“

Ob diese Geschichte wahr ist oder erfunden – ich weiß es nicht. Doch fasziniert sie mich – und zwar auf dreierlei Weise,

1. Die Geschichte weckt in mir eine Sehnsucht

Ich selbst würde gern in diese Pariser Bäckerei gehen! Auch mir fehlt so oft – nein, nicht das tägliche Brot, aber Versöhnung. Versöhnung mit anderen Menschen, Versöhnung mit den Umständen, wie sie nun mal sind, Versöhnung mit mir selber, wie ich nun mal bin.
Das hätte doch was: Immer dann, wenn ich nicht mehr weiterweiß, wenn mir alles über den Kopf wächst, wenn ich nicht weiß, wohin mit meiner Angst – dann so einen Ort zu haben, um eine offene Tür und offene Ohren zu wissen und um die versöhnende Geste.
Zu wissen, da ist ein Mensch da, der mir zuhört, der mich kennt und der vielleicht schon an meinem Gesichtsausdruck sieht, wie es mir geht.

2. Die Geschichte wird mir zum Gleichnis

Sie weist auf das Kreuz hin und auf das, was dort geschah: Versöhnung durch Gott, indem er „den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht hat, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt“ (2. Kor 5 21).
Wenn ich das Wort Versöhnung höre, sehe ich eine ausgestreckte Hand vor meinen inneren Augen. Wir kennen dieses Bild aus unseren menschlichen Beziehungen.
„Komm, sei wieder gut..“
Dazu braucht es viel Mut, die Hand dem anderen hinzustrecken. Und es erleichtert unser Herz, wenn er oder sie einschlägt.

Und genau das, ist es, was sich an Karfreitag zwischen Gott und den Menschen abspielt. Gott streckt seine Hand nach dir und nach mir aus – daß wir sie erfassen und nicht mehr loslassen. Gottes Hand hat uns geschaffen! Wir sind aus ihr hervorgegangen. Sie hat uns gewollt, geformt und mit allem begabt, was zu einem Leben als Mensch nötig ist. Ihr verdanken wir alles.
Gott streckt uns seine Hand voller Liebe entgegen. Nehm ich sein Angebot an?
Jesus, der die Sünde nicht kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht.
Er nahm unseren Platz ein, damit wir seinen Platz einnehmen und in ihm vor Gott gerecht werden können.
Das Sterben von Jesus ist die Antwort Gottes. Das Kreuz ist der Ort, an dem Jesus sein Leben hingibt, um es an uns auszuteilen, um sich selbst als Lebensbrot auszuteilen. So geschieht durch das Kreuz Versöhnung. Versöhnung, die unabhängig ist von unseren Sympathien. Versöhnung, die ganz und gar abhängig ist von dem, was Jesus für uns und für alle tat.
Das ist Karfreitag, wenn uns plötzlich aufgeht, wie groß unser Gott ist, wie weit seine Liebe reicht und dass ihm auch das Schrecklichste noch zum Leben dienen muss. Paulus sagt es ganz deutlich: Gott versöhnte die Welt mit sich.
Und nicht: Gott versöhnte sich mit der Welt. Nicht Gott ist der Welt böse, die Welt ist böse auf Gott. Und deswegen wird Gott Mensch, ganz und gar, bis zum äußersten. Er versöhnt sich mit der Welt wie sie ist, er versöhnt sich mit uns. In Christus gilt: Wo immer Menschen hinkommen können: Gott war schon da. Es gibt keine Gottverlassenheit, keinen Schmerz, keine Hölle, keine Sehnsucht nach Gerechtigkeit in der Gott nicht schon vor uns wäre.
Noch einmal, nehme ich seine ausgestreckte an?

3. Die Geschichte wird mir zu einem Bild für die Gemeinde Jesu

Nun sitze ich hier am Computer und schreibe eine Predigt, die ihr vor euch liegen habt und lest. Das ist für mich auch ein besondere Situation.
Wie wird es mit unserem Gottesdienst weitergehen?
Wann werden wir uns wiedersehen?

Ich spüre in mir den tiefen Wunsch, dass Gemeinde wieder der Ort sein und werden möge, der solche Ausstrahlung oder Anziehung hat, so einen unwiderstehlichen Duft verströmt wie eine gute Bäckerei, so dass die vielen, die – egal ob eher ziellos oder zielstrebig – vorbeigehen, innehalten und eintreten und erfahren: Ich bin willkommen mit allem, was ich mitbringe. Auch wenn es Trauer, Angst und Selbstvorwürfe sind, wie bei dem Busfahrer. Auch wenn es Hektik und Oberflächlichkeit sind wie bei der Frau, die nur schnell ihren Einkauf erledigen wollte. Auch wenn es die Verzweiflung eines Menschen ist, dessen Leben bedroht ist.

Die Gemeinde Jesu als ein Ort, wo ausgeteilt wird, was Menschen zum Leben brauchen: Brot für den Hunger des Körpers, aber viel mehr für den Hunger der Seele. Gemeinde Jesu als Ort, wo es viele gibt wie diesen alten Bäckermeister.
Menschen, die sich berühren lassen von der Not anderer und die bereit sind, etwas von dieser Not mit ihnen zu teilen.

Seid gesegnet
Liebe Grüße Eure Claudia

Predigt Palmsonntag – Markus 14,3-9

Zweckfreie Liebe

Was für eine große Liebe zeigt die Frau durch das, was sie tut!
Um sich mal eine Vorstellung davon zu machen: Nardenöl kam aus Indien. Aus einer Wurzel aus dem Himalaya wurde das kostbare, wohlriechende Öl zubereitet. Dann kam es per Handelsware in den Nahen Osten. 300 Silberstücke kostete die ganze Flasche. Weiterlesen…

Predigt 29.03.2020

Thema: Zuversicht – Klopfet an, so wird euch aufgetan
Matthäus 7,7-11

Papa, kann ich mal was zu Trinken haben?
Mama, kann ich den Fernseher einschalten?
Papa, habt ihr jetzt genügend geredet, können wir jetzt weitergehen?
Mama, ich kann die Socken nicht finden, kannst du mir helfen zu suchen?
Mama, ich weiß bei den Hausaufgaben nicht weiter, kannst du mir helfen?
Mama, wenn du einkaufen gehst, bringst du mir was zu naschen mit?Weiterlesen…

Predigt vom 22.03.2020

Meine Zuversicht ist bei Gott

Psalm 62,1-8

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.
Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde.Weiterlesen…

Predigt vom 15.03.2020

Bleib‘ gesund – ist das der Wunsch für die kommenden Tage?

Oder eher „bleib‘ behütet“, denn egal, ob wir erkranken oder gesund bleiben, ob wir in Quarantäne müssen oder weiterhin halbwegs normal leben, ist es doch wichtig, behütet zu bleiben. Von Gott behütet, der Leib und Seele bewahrt.Weiterlesen…